
Dieses Gipfelbuch ist ein Ort der Begegnung – mit Gedanken, Hoffnungen, Dankbarkeit und Segen. Hier kannst du eine Bitte hinterlassen, deinen Dank ausdrücken oder eine Nachricht für den nächsten Menschen schreiben, der dieses Buch in die Hand nimmt.
Vielleicht braucht jemand gerade genau deine Worte, um weiterzugehen. Vielleicht findest du hier genau das, was du gerade brauchst.
Vergiss nie: Nicht nur das Ziel ist entscheidend, sondern auch der Weg dorthin. Halte durch, habe Vertrauen – Gott begleitet dich auf jedem Schritt.
Am Fuße eines gewaltigen Berges lag ein kleines Dorf. Der Gipfel des Berges war von dort aus kaum zu sehen, denn dichte Wolken verbargen ihn meist. Die Dorfbewohner erzählten sich Geschichten über den Berg – manche glaubten, er sei unerreichbar, andere behaupteten, nur die Stärksten könnten ihn bezwingen.
Eines Tages traten drei junge Reisende vor den ältesten Mann des Dorfes und verkündeten stolz: „Wir werden den Gipfel erklimmen!“
Der alte Mann nickte weise und sprach: „Dann geht los, aber denkt daran: Der Berg prüft euch nicht nur mit seiner Höhe, sondern auch mit euren eigenen Gedanken und Entscheidungen.“
Die drei nickten und machten sich auf den Weg.
Der erste Reisende war voller Energie. Er rannte den Weg hinauf, ignorierte die steilen Anstiege und verschwendete keine Zeit mit Pausen. „Je schneller ich bin, desto früher stehe ich auf dem Gipfel!“, rief er den anderen zu. Doch bald wurde der Weg steiniger, seine Beine müde, sein Atem schwer. Er stolperte, fiel und konnte nicht mehr weiter. Entkräftet kehrte er ins Dorf zurück.
Der zweite Reisende wollte sich den Aufstieg erleichtern. Er suchte Abkürzungen, kletterte über unsichere Felsen und mied die schwierigen Pfade. „Ich bin schlau genug, den einfachsten Weg zu finden,“ sagte er sich. Doch schließlich führte ihn eine vermeintlich leichte Route in eine Sackgasse. Die Felsen waren zu steil, der Abgrund zu tief. Er hatte sich verirrt. Enttäuscht musste er umkehren.
Der dritte Reisende ging langsam, aber stetig. Er achtete auf den Weg, nahm sich Zeit, um seine Kräfte einzuteilen, und ruhte sich aus, wenn er müde wurde. Als er auf schwierige Passagen traf, suchte er nach Lösungen, lernte aus seinen Fehlern und fragte andere Wanderer um Rat. Er ließ sich nicht entmutigen, selbst als der Nebel dichter wurde und der Gipfel unerreichbar schien.
Nach einer langen Reise trat er schließlich auf den höchsten Punkt des Berges. Der Himmel war klar, die Sonne tauchte die Landschaft in goldenes Licht, und unter ihm erstreckte sich die Welt in all ihrer Schönheit. Er atmete tief durch und genoss den Moment.
Als er ins Dorf zurückkehrte, erwarteten ihn der alte Mann und die anderen Dorfbewohner. „Und, was hast du gelernt?“ fragte der Weise.
Der Reisende lächelte. „Der Berg prüft uns nicht nur mit seiner Höhe, sondern mit unserer Geduld, unserer Klugheit und unserer Ausdauer. Wer zu schnell rennt, erschöpft sich. Wer Abkürzungen sucht, verirrt sich. Aber wer stetig geht, wer aus Fehlern lernt und Pausen zulässt, der erreicht sein Ziel.“
Der alte Mann nickte. „Nun weißt du, was wirklich zählt. Nicht nur das Ziel, sondern die Reise selbst macht uns stark.“
Und so wurde die Geschichte des dritten Reisenden zur Legende, die im Dorf noch viele Jahre erzählt wurde – eine Erinnerung daran, dass jeder den Gipfel erreichen kann, wenn er mit Geduld, Ausdauer und einem offenen Herzen seinen Weg geht.
Christina Brückner